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Museum ohne Originale

© Alexandra Gruber

Das Fälschermuseum im dritten Gemeindebezirk stellt Fälschungen und Kopien aus und präsentiert erstaunliche und skurrile Kriminalfälle.

Diane Grobe © Fälschermuseum

Neben dem Gustav Klimt-Bild, das im Museum hängt, ist ein Zertifikat befestigt, dass das Kunstwerk als Fälschung ausweist. Und im Gästebuch finden sich Kommentare wie: „Ihr habt mein Falschgeld akzeptiert! Ich bin enttäuscht…“ oder „Loved it, makes me want to become a criminal.“

Im Fälschermuseum in Wien-Landstraße sollen die Besucher natürlich nicht auf die schiefe Bahn gebracht werden. „Wir wollen Geschichten erzählen und Menschen an die Kunst heranführen“, erklärt Museumsbetreiberin Diane Grobe.

Laut Schätzungen sind zehn Prozent aller Bilder in Museen weltweit Fälschungen. Manche davon sind so gut gemacht, dass auch die Mitarbeiter von Auktionshäusern und andere Kunstkenner glauben, ein Original in Händen zu halten.

Diane Grobe und ihr Partner Christian Rastner, beide nebenberufliche Maler, waren von dem Thema so fasziniert, dass sie 2005 in Wien-Landstraße das Fälschermuseum eröffneten, um in die Welt von spektakulären und zum Teil skurrilen Kriminalfällen ein zu führen.

Es ist kompliziert

Eine Stil- oder Totalfälschung ist ein Werk, das im Stile eines Künstlers gemalt wurde, mit dem (falschen und betrügerischen) Hinweis, es sei ein Original des Künstlers, eine Identfälschung ist die Kopie eines bestehenden Werkes, mit dem (falschen und betrügerischen) Hinweis, es sei das Original oder eines der Originale (Lithografien). Eine Kopie oder eine Nachahmung wiederum (hergestellt ohne eine betrügerische Absicht) ist keine Fälschung und ein Kopist auch kein Fälscher! Eine Kopie enthält keinen (falschen) Hinweis, dass es sich um das Original handle. Ein Bild darf aber erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers kopiert werden.Das ist alles gar nicht so einfach“, sagt Grobe und lacht.

© Alexandra Gruber

Berühmte Fälscher

Denn manchmal werden Fälschungen so wertvoll, dass auch sie nachgemacht werden.  „Ein Beispiel ist Konrad Kujau, der als Fälscher der Hitler-Tagebuchseiten berühmt wurde. Seine Bilder werden mittlerweile ebenfalls gefälscht“, erzählt Diane Grobe.

Der Brite Tom Keating wiederum eröffnete seinen Landsleuten in den 1970-er Jahren, dass er über 2000 Fälschungen in Umlauf gebracht hatte. Keating, der 1984 verstarb, war ein Krimineller mit viel Humor. Manchmal markierte er seine Bilder mit Sprüchen und arbeitete absichtlich Fehler ein. Seine Werke sind mittlerweile wertvolle Sammlerstücke.

Auch der Niederländer Han van Meegeren gelangte nicht als Maler sondern als Fälscher zu Weltruhm. 1942 gelang es ihm sogar, Hermann Göring zu täuschen und verkaufte ihm zwei Fälschungen. 1945 fanden die Alliierten die Bilder in einem Bergwerk bei Salzburg, wo Göring einen Teil seiner Kunstsammlung versteckt hatte.

Wo man Fälschungen kaufen kann

Einfach sei es nicht, Ausstellungsstücke zu erwerben, verrät Grobe. „Manche Fälschungen findet man auf Ebay von Privatleuten, andere am Kunstmarkt. Das ist mittlerweile ein florierender Handel. Gelegentlich bieten uns Kunsthändler Fälschungen an, auf die sie reingefallen sind. Sie verlangen meist die gleiche Summe, die sie selber bezahlt haben. Das lehnen wir immer dankend ab.“ Sie schmunzelnd und fügt hinzu: „Oft steigern wir mit und werden überboten. Etwa zwei bis drei Mal jährlich finden wir etwas, das wir tatsächlich kaufen.“

Klimt zum selber machen

Ein Ausstellungsstück Made in Vienna gibt es im Fälschermuseum derzeit nicht. „Einmal haben wir selber einen Klimt gefälscht, das war die billigste Fälschung, die wir hatten. Die wurde uns gestohlen.“ Grobe nimmt den Diebstahl ziemlich gelassen. „Das Blatt hat zehn Euro gekostet, und den Klimt-Nachlass-Stempel hatten wir sowieso. Wir wollten eigentlich nur beweisen, wie einfach es ist, Laien zu täuschen.“

INFO: www.faelschermuseum.com

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