Barrierefreie Ausflugsziele im Südburgenland
August 3, 2016

Wenn der Gang zur Toilette zum Erlebnis wird

© Alexandra Gruber

Auf unseren Streifzügen durch die Stadt war manches Mal auch der Gang zur Toilette ein kleines Erlebnis. Diese WC-Anlagen in Wien sind uns in besonderer Erinnerung geblieben.

WC-Container am Cit Beach © Alexandra Gruber

Das Freundliche

Die Barbetreiber des City Beach am Donaukanal haben sich mit ihrer WC-Anlage so viel Mühe gegeben, dass manche Besucher beim Waschbecken sogar Dankesschreiben zurückgelassen haben. Dabei ist der Container abgesehen von den Graffitis an den Außenwänden optisch nichts Besonderes. Es muss wohl an den Mitarbeitern liegen, die am Stehtisch vor dem Eingang die Nutzungsgebühr (€ 50) kassieren und sich durch einnehmende Freundlichkeit auszeichnen. Oder an den Hygieneartikel und Zuckerl, die zur freien Entnahme im Preis inbegriffen sind sowie den vielen Sprachen, in denen die Damen und Herren begrüßt werden.

Modene Anlage am Yppenplatz © Alexandra Gruber

Das Moderne

Die Höhe beim Sitz im Fertigstahlbeton-Container am Yppenplatz ist verstellbar, die Tür verriegelt und öffnet automatisch, via Knopfdruck fließt Wasser Seife und die Spülung beim WC. Selbstverständlich gibt es Händetrockner und Wickeltisch. Der Service kostet 50 €, die ein freundlicher Herr kassiert.

DIe Operntoilette (c) Alexandra Gruber

Das Kitschige

Unter dem Opernring lockt der Dreivierteltakt notdürftige Musikliebhaber in ein öffentliches WC der besonderen Art. In der Opera Toilet Vienna in der Passage der U-Bahnstation Karlsplatz zahlen die Besucher einen Obulus von € 70. Das sollte man abgezählt einwerfen, denn sonst wird es noch teurer. „Keine Geldrückgabe, No Chance“ steht in kleiner Schrift auf dem knallig gelben Automaten. Die WC-Benützer dürfen dafür über einen roten Teppich laufen, während der Donauwalzer den Besuch akkustisch begleitet. Auf der WC-Tür steht statt „Loge“ Loge. Ist aber trotzdem nur ein WC.

Jugendstiltoilette am Graben © Alexandra Gruber

Das Edle

Angeblich wurde über die Jugendstil-Toilette am Graben unter dem Josefsbrunnen sogar eine Diplomarbeit geschrieben. Die unterirdische Bedürfnisanstalt ist Jahrgang 1905, steht unter Denkmalschutz und wird sogar in Reiseführern erwähnt. Teures Holz, Messing, geschliffenes Glas und die beiden getrennten Stiegenabgänge für Damen und Herren erwarten die Besucher. Eine Wartefrau kassiert für die Benutzung € 50 und verschließt hinter den Gästen die Schiebetür aus Eichenholz. Alles wie damals. Bis auf die beiden Aquarien, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Damen-WC befunden haben.

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